Das ewige Lazarett: Gibt es einen „Schalke-Effekt“?

Mit einer 2:1 Niederlage in Hamburg hat Schalke die Hinrunde und das Jahr 2016 beendet. „Endlich!“, werden die meisten nun denken. Aktuell sieht es nicht danach aus, als würde Schalke im nächsten Jahr wieder international spielen.

Die Halbserie begann denkbar schlecht. Fünf Niederlagen aus fünf Spielen bedeuteten den schlechtesten Saisonstart aller Zeiten. Glücklicherweise konnte man diesen Negativtrend aufhalten und sich über starke Auftritte in der Europa League Selbstbewusstsein zurückholen. Diese Serie fand mit der unglücklichen 2:1 Niederlage in Leipzig allerdings wieder ein jähes Ende. Ein äußerst ungünstiger Zeitpunkt, denn Schalke war auf einem guten Weg Kontakt zu den internatinonalen Plätzen herzustellen.

Ein Punkt aus den letzten vier Spielen vor der Winterpause lässt die Knappen tabellarisch wieder abstürzen. Momentan ist man dem Relegationsplatz näher als Platz sechs. Das Team hatte gerade gegen Ende der Hinrunde zahlreiche Verletzte zu beklagen. Schalke und das volle Lazarett, ein jährlich wiederkehrendes Thema. Als Fan hat man das Gefühl, dass an Schalke ein Fluch haftet und Neuzugänge sowie Leistrungsträger in unschöner Regelmäßigkeit lange Zwangspausen einlegen müssen.

Es ist unstrittig, dass die Verletztenliste der Schalker über die letzten Jahre betrachtet länger ist und war als bei anderen Bundesligisten. Insbesondere Leistungsträger wie Kapitän Höwedes fallen häufig aus. Das kann, grob skizziert, zwei Ursachen haben, sofern man nicht an schlichtes Pech glauben mag. Entweder verfplichtet der Verein tendenziell verletzungsanfälligere Spieler oder trainiert/spielt auf eine Art und Weise, die eher Verletzungen hervorruft.

Aus dem aktuellen Kader sind etliche Spieler dabei, die in den letzten fünf Jahren immer wieder verletzungsbedingt pausieren mussten, wie die individuellen Verletzungshistorien auf transfermarkt.de zeigen. Dabei lassen sich vier Gruppen unterscheiden. Einschließlich aktueller Verletzungen sowie der Ausfälle bei ehemaligen Vereinen fielen Coke, Embolo, Choupo-Moting, Avdijaj und Di Santo in diesem Zeitraum ca. 30 Spiele lang aus, also in etwa eine Bundesligasaison lang. Kolasinac, Fährmann und Goretzka haben in dieser Zeit gut 1,5 Saisons verpasst. Giefer, Huntelaar und Aogo bewegen sich mit über 60 ausgefallenen Spielen sogar auf dem Niveau von im Schnitt zwei verpassten Spielzeiten. Die meisten Spiele haben jedoch Nastasic (77), Sam (87), Höwedes (95) und Uchia (116) verletzungsbedingt nicht bestreiten können. Insbesondere bei den jüngeren Spielern (Embolo, Avdijaj, Kolasinac, Goretzka) ist zu bedenken, dass diese zum Teil seit weniger als fünf Profijahren aktiv sind.

Höwedes, Kolasinac, Fährmann und Avdijaj können als verletzungsanfällige Eigengewächse bezeichnet werden. Andere Spieler wie Nastasic, Aogo, Bentaleb, Sam, Di Santo und Choupo-Moting wurden bereits mit einer längeren Krankenakte im Gepäck verpflichtet. Das Risiko war hier also bekannt. Aus dieser Gruppe hat lediglich Choupo-Moting diese Anfälligkeit in den Griff bekommen, alle anderen verpassen auch auf Schalke regelmäßig Partien. Zu den interessanten Fällen gehören Giefer, Embolo, Huntelaar, Goretzka, Coke und Uchida, die bei ihren alten Vereinen noch nicht regelmäßig ausfielen. Seit seinem Muskelbündelriss im Jahr 2014 scheint lediglich Goretzka auf einem guten Weg zu sein und an körperlicher Robustheit gewonnen zu haben. Bei Embolo und Coke ist dies freilich noch nicht abzuschätzen. Gemeinsam mit den verletzungsanfälligen Eigengewächse kommt man also auf gut zehn Spieler, bei denen ein „Schalke-Effekt“ in Betracht kommt. Einige Spieler galten aber schon bei ihrer Verpflichtung als anfällig, was aufgrund sinkender sportlicher und finanzieller Perspektive der letzten Schalker Jahre einen Transfer überhaupt erst ermöglichte.

Eine mögliche Ursache wäre ein kräftezehrender Spielstil, der beispielsweise bei den Rivalen aus Dortmund mit der hohen Ausfallquote der Spieler in Verbindung gebracht wurde. Auf Schalke wurde hingegen solch ein laufintensives Gegenpressing von keinem der letzten Trainer verfolgt. Eine zweite Möglichkeit besteht darin, dass die Kondition der Spieler unterdurchschnittlich ist und sich die Spieler in Folge von Übermüdung im Spiel oder Training verletzen. Eine durchaus realistische Einschätzung, die beispielsweise mit dem schlechten Saisonstart oder den regelmäßigen Formeinbrüchen aufgrund von Doppelbelastungen im Einklang steht. Weinzierl hat dies wohl erkannt und setzt verstärkt auf Rotation, was Mitte der Hinrunde gut funktionierte. Schließlich könnte es auch sein, dass die medizinische Abteilung der Schalker nicht ideal arbeitet und beispielsweise nach Verletzungen zu früh wiedereinsteigen lässt oder risikoreichere Behandlungen bevorzugt. Allerdings wäre auch das Gegenteil möglich, die Mannschaftsärzte also vorsichtiger agieren und Spieler lieber schonen als sie angeschlagen auflaufen zu lassen.

Die Verletzungsmisere auf Schalke ist ein Thema, das den Verein in den letzten Jahren beschäftigt hat. Die Zahlen legen dabei nahe, dass die Situation nicht nur mit mangelndem Glück erklärt werden kann. Fallen Stammspieler erst einmal aus, leiden darunter natürlich die Leistungen. Aktuell ist es beispielsweise ohne fitten Stürmer schwierig Tore zu schießen. Doch die Frage, inwieweit der Verein daran eine Teilschuld trägt, bleibt offen. Bleibt zu hoffen, dass sie wenigstens intern diskutiert wird.

Konstanz ist eine Stadt am Bodensee

So ein wenig drohte Euphorie aufzuflammen. Das war am Donnerstag. Schalke spielt Nizza fast an die Wand. Am Ende stand es zwar nur 0:1 für die Blau-Weißen, doch der Sieg war zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Man hatte die Partie im Griff, gar kontrolliert. Am Ende waren alle zufrieden und blickten mit freudigen Erwartungen auf das nächste Bundesligawochenende.

Heute, am Montag, sieht die Welt schon wieder anders aus. Schalke hat sich am Sonntagabend nicht mit Ruhm bekleckert und 0:2 in Berlin verloren. Konstanz und Schalke trennen nicht nur geografisch Welten. Es stehen nun 0 Tore und 0 Punkte nach drei Spielen zu Buche. Das Bayern-Spiel wurde zwar schon im Vorfeld abgehakt, doch mindestens drei Punkte hätte man sich zu diesem Zeitpunkt schon erhofft.

Leider patzten gerade die beiden neuen Mittelfeldmotoren Bentaleb und Stambouli, die gegen Nizza noch so stark aufspielten. Vor allem wurde jedoch offensichtlich, dass im Sturmzentrum noch nicht viel zusammenläuft. Huntelaar ist nach wie vor ein guter Strafraumspieler und Weinzierl hält große Stücke auf ihn, doch der moderne, laufintensive Fußball scheint ihn zunehmende zu überfordern. Embolo ist noch nicht drin und auch der Trainer weiß noch nicht so richtig, was er mit ihm anfangen soll. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn er wird Zeit brauchen. Doch leider verkaufte Schalke vor wenigen Wochen Toptorjäger Sané. Damit stellt sich die Frage: Wer soll nun eigentlich die Tore schießen?

Der Weg in dieser Saison wird steinig werden und wahrscheinlich von vielen Rückschlägen geprägt sein. Am Mittwoch wartet das Heimspiel gegen Köln. Unterschiedlicher könnten die Voraussetzungen nicht sein, denn die Kölner startet mit sieben Punkten sehr gut in die Saison. Zudem trifft dann die rheinische Defensive ohne Gegentore auf einen torlosen Angriff von der Ruhr – keine schönen Aussichten für den FC Schalke. Doch ein Sieg muss in jedem Fall her, denn schon jetzt gilt: Die Konkurrenz schläft nicht und punktet fleißig. Ansonsten bleibt ja noch die vage Hoffnung, dass man sich dieses Jahr ein bisschen später aus den Pokalwettbewerben verabschiedet…

Schalkes Baustellen in der Winterpause

Nach dem nicht gerade überzeugenden Sieg gegen Hoffenheim stellt sich die Frage, woran die Schalker in der Winterpause arbeiten müssen. Was lief in der ersten Halbserie unter Breitenreiter gut, wo hakt es noch?

Der große Pluspunkt ist sicherlich die Stimmung. Breitenreiter hat die klassischerweise sehr enge Bindung zwischen Fans und Mannschaft wiederhergestellt. Und das mit ganz einfachen Rezepten: Ruhe bewahren, Optimismus ausstrahlen, auf die Jugend setzen und offensiven Fußball spielen. Die Anhänger danken das mit einer Stimmung, die bei Heimspielen unter Di Matteo undenkbar war.

Der perfekte Start in die Bundesliga hat ihm erstmal ein dickes Polster verschafft, von dem er immer noch zehrt. Selbst als es im November schlecht lief, wussten die Fans zumindest, dass das Potential ja da ist, man hatte den guten Fußball am Anfang der Hinrunde gesehen. Zudem ist man ziemlich souverän durch die Gruppenphase der Euro-League spaziert.

Bezüglich der mangelnden Konstanz muss zwischen Faktoren unterschieden werden, die man beim aktuell eigeschlagenen Weg billigend in Kauf nimmt und solchen, an denen man noch arbeiten kann.

Junge Spieler können nicht in jedem Spiel ihre Leistung abrufen – klar. Das gilt vor allem für Max Meyer, auf Licht folgte bei ihm immer wieder Schatten. Man muss Geduld mitbringen und ihm diese Schwankungen zugestehen – dann bekommen wir in ein paar Jahren einen echten Star. Auch Sanés Leistungen ließen gegen Ende der Hinrunde nach. Doch ein Großteil der schwankenden Leistungen geht leider auf die Kappe der Erfahrenen. Huntelaar, Di Santo, Caicara, auch Höwedes und Aogo haben nicht immer überzeugt. Das muss nicht sein und ist unverständlich.

Aber auch Breitenreiter hat nicht alles perfekt gemacht. Der „Matchplan“, den Schalke in den meisten Spielen fährt, ist offensichtlich. Der Druck soll über die Flügel kommen. Kein Wunder, dass Choupo-Moting und Sané mehr Tore als Di Santo und Huntelaar haben. Eine zentrale Rolle nehmen dabei die Außenverteidiger ein, die bei Ballbesitz tief ins gegnerische Drittel vorrücken (siehe Foto). Geis lässt sich dann zurückfallen, so dass eine Dreierkette zur Absicherung steht. Die größte Gefahr strahlt Schalke aus, wenn sie nicht selbst das Spiel machen müssen, sondern kontern können. Auch deshalb hat man gegen die Topmannschaften relativ gut ausgesehen.

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In Kombination mit der schlechten Chancenverwertung können jedoch gegnerische Konter brandgefährlich werden, gerade bei Heimspielen. Auf diese Weise hat man sich einige Gegentore gefangen, weil die Außenverteidiger nicht schnell genug umschalten können, weil sie zu weit vorne waren. Hier liegen zwei Probleme. Erstens funktioniert diese Spielweise nicht gegen tief stehende Gegner. Wir erinnern uns alle daran, wie schwer man sich gegen Mannschaften wie Nikosia, Darmstadt oder Ingolstadt tat. Zweitens verfügen die Außenverteidiger nicht über die Klasse, um vorne für Gefahr zu sorgen und hinten alles dicht zu halten. Aogo, Kolasinac und Riether sind solide Bundesligaspieler. Aber für solch eine Spielweise braucht es eine Klasse mehr, die sich Schalke nicht leisten kann.

Die Lösung kann nur in einer Kombination aus taktischer Anpassung und Aktivität auf dem Transfermarkt liegen. Es muss ein Spieler her, der für Gefahr durch die Mitte sorgen kann. Dann lastet weniger Druck auf Meyer. Ein gestandener Spielmacher wie Renato Augusto könnte hier die Lösung sein. Die Außenverteidiger könnten dann tiefer stehen, das Spiel würde variabler bei geringerem Risiko. In der Konsequenz ist man schlechter ausrechenbar und weniger verwundbar. Eine zweite Lösung könnte auch in der Verpflichtung neuer Außenverteidiger liegen. Doch diejenigen, die vorne für Gefahr sorgen können und trotzdem hinten absichern, sind für Schalke unbezhalbar. Bekommt Schalke diese Probleme in den Griff, ist ein Platz unter den ersten Vier in jedem Fall möglich.

Zwischen Derby und Bayern: 04 Gründe für die Derbyniederlage

Das Derby ist vorbei. Natürlich lief es besser als wir uns alle erhofft hatten. Aber ein wenig Glück war auch dabei, dass Schalke nicht vorgeführt wurde.

Die Partie ging ziemlich gut los. Schalke stand defensiv extrem kompakt, alle, auch die Stürmer, arbeiteten nach hinten mit. Das funktionierte gut, Di Santo fungierte teilweise als eine Art Rechtsverteidiger. Die Grundformation war dabei eigentlich eher offensiv: 4-4-2 mit zwei Spitzen (Huntelaar und Sané), Di Santo als Rechtsaußen, der dort für Torgefahr sorgen sollte. In der Anfangsphase hatte Schalke sogar ein, zwei gute Konterchancen.

Der Einsatz stimmte, alle kämpften aufopferungsvoll. Umso ärgerlicher, dass der eher weniger hoch gewachsene Kagawa zum 1:0 einköpfen konnte. Schalke zeigte aber Moral, reagierte prompt und erzielte durch Huntelaar den Ausgleich. Doch noch vor der Pause konnte Ginter die erneute Führung herstellen. Nach der Halbzeit ging das Spiel in seine entscheidende Phase. Dortmund konnte früh durch Aubameyang zum 3:1 einnetzen und war drückend überlegen. Einige Glanzparaden von Fährmann verhinderten im Anschluss Schlimmeres.

Dortmund hatte jetzt so viele Chancen, dass man sich über ein 5:1 nicht hätte beschweren können. Aber der BVB wirkte ab der 60. überheblich, arrogant, verschleppte das Tempo in einigen entscheidenden Situationen und kam daher nicht noch einmal zum Torerfolg. Stattdessen kamen die Schalker durch Huntelaar noch einmal ran. Hjöbjerg hatte die größte Chance zum Ausgleich, traf aber lediglich den Pfosten. In der Schlussphase wurde es teilweise wieder hektischer, aber am Ende konnte Dortmund die Führung souverän halten.

Warum hat es auch diesmal nicht gereicht? 04 Gründe sind meiner Meinung nach ausschlaggebend, dass es für Schalke nichts zu holen gab.

01: Konzentration in den Schlüsselszenen

In der Anfangsphase waren die Schalker hochkonzentriert. Natürlich kann man solch eine Spielweise nur schwer über 90 Minuten aufrecht erhalten, aber länger als 30 Minuten hätte man das schon schaffen können. Dass Kagawa dann zum Kopfballtor kommt, ist schlicht mangelnde Konzentration. Ebenso beim 2:1 nach der Ecke: Ginter muss man auf dem Zettel haben und an Hochgewachsenen mangelt es den Schalkern wahrlich nicht.

02: Zwangsrotation

Durch viele Verletzungen ist Breitenreiter immer wieder zu Umstellungen gezwungen. Das macht sich bemerkbar. Vorne hakt es im Aufbauspiel – gegen Dortmund nicht so eklatant, weil klar war, dass Schalke eher über Konter kommen muss. Hinten wird die Viererkette praktisch nach jedem Spiel umgestellt, was zu Abstimmungsproblemen wie im Spiel gegen Prag führen kann. Doch im Mittelfeld klafft das größte Loch:

03: Keiner kann Geis ersetzen

Geis fehlt an allen (und vor allem bei) Ecken und Enden. Goretzka macht seine Sache sehr ordentlich, gerade im Spielaufbau. Aber seine Aufgabe ist es nicht, Geis zu ersetzen, denn die beiden bilden ein Duo. Als Ersatz haben sich jetzt einige versucht, Kolasnic vorne weg, der auf der Position wahrlich nicht glücklich wirkt. Ayhan hat im Hinspiel gegen Prag ordentlich gespielt, Höger ist verletzt. Im Prinzip wurde Hjöbjerg genau für solche Moment geholt, da er die nötige Klasse dazu mitbringt und sofort helfen kann. Leider hat er das noch gar nicht gezeigt. Wahrscheinlich müssen die restlichen Spiele ohne Geis einfach ausgesessen werden.

04: Fehlende Klasse, schlechte Form

Wir haben eine sehr junge Mannschaft vor uns. Doch man kann nicht alles auf mangelnde Erfahrung zurückführen. Auch bei Dortmund haben mit Ginter oder Weigel junge Spieler gespielt. Dabei sind es momentan auf Schalke gerade die erfahrenen Spieler, die ihre Leistung nicht voll abrufen können. Caicara (26) – vielleicht der einzige taktische Fehler Breitenreiters, ihn statt Riether hinten rechts auflaufen zu lassen – und Aogo (28) sind defensiv immer wieder überfordert. Auch von Choupo-Moting (26) und Di Santo (26) muss mehr kommen. Bei Huntelaar ist der Knoten jetzt hoffentlich geplatzt.

Die Frankfurter haben gezeigt, dass man gegen Bayern bestehen kann. Also, auf geht’s Schalke kämpfen und… Unentschieden spielen! 

It’s Derbytime oder vom Versuch, gegen Borussia Dortmund zu bestehen

Ganz Deutschland, Europa und bestimmt auch einige Vermarktungsopfer aus Asien blicken mit Spannung auf DAS Bundesliga-Derby schlechthin – Borussia Dortmund empfängt den FC Schalke 04.

Angesichts personeller Engpässe auf Seiten der Schalker (es fehlen: Giefer, Höwedes, Nastasic, Uchida, Geis, Höger, Platte, Sam an potentiellen Alternativen) und enttäuschenden Auftritten gegen Prag, Ingolstadt und Mönchengladbach, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie man taktisch agieren sollte, um nicht ins offene Messer zu rennen. Schließlich trifft man auf eine Mannschaft, die an Souveränität in dieser Saison nur vom FC Bayern überboten wurde und bislang 2,9 (!) Tore pro Spiel schoss (Schalke kommt auf magere 1,3 Tore pro Spiel.).

Im Spiel gegen Prag stellte Breitenreiter in dieser Saison erstmals taktisch von einem 4-4-2 auf ein 4-2-3-1 um. Grundsätzlich ist diese Ausrichtung defensiver, allerdings erfordert es enorme Laufarbeit von den zwei vorderen Flügelspielern. Das war nicht das Problem der Schalker gegen Prag, Sané und auch Choupo-Moting arbeiteten einigermaßen ordentlich nach hinten mit (zumindest vor dem Hintergrund, dass diese Rollen für sie ungewohnt sind). Dennoch kassierte Schalke ein Gegentor, was ärgerlich war, weil es sehr früh nach Zuordnungsproblem in der Verteidigung fiel. Das Spiel nach vorne wirkte oft eher planlos, obwohl Goretzka zweimal die Gelegenheit zum Siegtreffer hatte.

Es wäre also keine dumme Idee, wenn man gegen Dortmund mit der selben taktischen Grundausrichtung begänne. Idealerweise würde ich mir folgende Startformation wünschen:

ideal_derby

Die Innenverteidigung stellt sich von selbst auf, wobei für Ayhan auch Friedrich spielen könnte. Alles in allem war die Leistung vom Duo Neustädter/Ayhan gegen Prag aber in Ordnung. Zudem sind es zwei sehr verschiedene Innenverteidigertypen. Rechts wünsche ich mir Riether, da er defensiv wesentlich stabiler als Caicara spielt. Caicara als Rechtsaußen ist andererseits defensiv stärker als beispielweise Sané. Links in der Viererkette ist Kolasinac der bessere Verteidiger als Aogo, aber die Gefahr besteht, dass er wieder einmal nach kürzester Zeit überhitzt, Platzverweis nicht ausgeschlossen. Goretzka und Höjbjerg sind die einzigen „echten“ Zentralspieler, Meyer könnte davor seine Dribbelstärke besser ausspielen und seine Antrittschwäche kaschieren. Sané verfügt über die nötige Geschwindigkeit für das Konterspiel, was auch für Choupo-Moting und Caicara gilt.

Denn sind wir ehrlich: Auf dem Papier ist das eine ganz klare Sache. Die einzig realistische Chance besteht in solider Abwehrarbeit, die mit erfolgreichen Konterzügen oder einer guten Standardsituation garniert werden könnte. Dazu bedarf es schneller Spieler. Alternative könnte auch Aogo für Kolasinac spielen, der dann für Meyer ins Mittelfeld rückt. Das würde dann eher einem 4-3-2-1 gleich kommen und wäre noch defensiver. Allerdings hatte Kolasinac zuletzt im defensiven Mittelfeld gegen Ingolstadt nicht gerade geglänzt.

Ich glaube aber, dass sich Breitenreiter eher für diese Variante entscheiden wird:

wahrscheinlich_derby

Die letzten Spiele haben mehr als deutlich gemacht, dass er an Huntelaar festhält. In einem 4-2-3-1 ist dieser aber praktisch wirkungslos, wie die letzte Saison zeigte. Zu behäbig, zu unbeweglich, zu wenig variabel. Wir kennen seine Stärken, aber die kann er in diesem System nicht verwirklichen. Für ein Konterspiel ist er praktisch nicht zu gebrauchen, da wäre es viel sinnvoller, wenn man auf Sané als Spitze setzen würde. Denn die Dortmunder Innenverteidiger gehören eher zu den langsameren, ob nun Hummel, Subotic, Sokratis oder Bender dort spielen. Ich sehe dort die einzige Chance für einen Erfolg: Schnell das Mittelfeld überbrücken, insbesonderen die beiden starken 8er bzw. 6er und dann mit Tempo an der Innenverteidigung vorbei. Und das kann nur Sané.

Der Formeinbruch der Gestandenen

Wir Schalker haben schon hohe Ansprüche, das ist nicht zu leugnen. Auf der Haben-Seite steht Platz vier mit einem Punkt Abstand zum Dritten. Auf der anderen Seite fällt die schlechte Form der vergangenen Wochen auf. Zwei Unentschieden in den Heimspielen gegen Prag und Ingolstadt – zwei Mannschaften, die nominell schwächer besetzt sind und geschlagen werden können. Dazu die beiden Niederlagen gegen Mönchengladbach. Noch schlimmer: Die nächsten Gegner heißen Dortmund, Bayern und Leverkusen. Zwei Niederlagen gegen Dortmund Bayern sind fast schon vorprogrammiert, nach den drei Spielen kann man sich schnell auf Platz zehn wiederfinden.

Der Saisonstart war geglückt, daran bestehen keine Zweifel. Und auch die Art und Weise, wie Fußball gespielt wurde, begeisterte. Davon ist momentan nicht viel zu sehen. In meinem letzten Beitrag bin ich auf einige Gründe eingegangen. Was mich aber am meisten schockiert, ist die Tatsache, dass gerade die sehr erfahrenen und gestandenen Profis keine Leistung bringen.

In der Abwehr geht es los. Matip ist dort die einzige Konstante. Aogo mit Licht und Schatten, defensiv wirkte er in den letzten Spielen nicht sehr engagiert. Und dann: Höwedes! Kapitän, Weltmeister, erfahrener Profi, Schalker mit Herz. Seine Leistung stimmt jedoch nicht. Er war lange verletzt, das darf man nicht außer Acht lassen. Aber wenn er nicht richtig fit ist, darf er nicht spielen. Er ist ein toller Mensch, ruhig, findet nach den Spielen die richtigen Worte. Aber ein Kapitän muss nicht nur abseits, sondern vor allem auf dem Platz mit gutem Beispiel voran gehen. Das Duo Matip-Neustädter harmonierte besser zusammen.

Die größten Probleme liegen momentan im Sturm. Huntelaar und Di Santo treffen das Tor einfach nicht, stehen sich mehr im Weg als dass sie voneinander profitieren. Der eine ist 32, der andere 26, beide sind erfolgreiche Bundesliga-Torjäger. Und gerade Huntelaar verfügt über eine riesige Erfahrung, spielte bei Real Madrid und dem AC Mailand, schoss 45 Tore in 75 Länderspielen, eine tolle Quote. So richtig lief es für ihn, als Raul hinter ihm spielte, aber diese Zeiten sind lange vorbei. Es wirkt oft über seinem Zenit, nicht mangels Klasse, sondern vielmehr, weil er keinen Platz im modernen Fußball mehr hat. Er ist der klassische Mittelstürmer des letzten Jahrzehnts, groß, kopfballstark, aber eben auch behäbig wirkend, ohne Dynamik. Sein Vertrag läuft noch bis 2017 bei einem geschätzten Jahresgehalt von 7 Millionen Euro. 2017 wäre er 34.

Spiegelbildlich dazu die „jungen Wilden“. Bester Torschütze? Sané! Dirigent im Mittelfeld? Goretzka! Abwehrchef? Matip! Toll zu sehen, was sie für einen Fußball zeigen, völlig unbeeindruckt von allem, was momentan so auf Schalke los ist. Vor allem Sané begeistertet ohne Ende, gegen Ingolstadt zeigte er auch defensiv gute Aktionen. Alle drei Genannten sind Eigengewächse, das lässt die Brust vor Stolz noch weiter anschwellen.

Leider bleibt das vage Gefühl, dass es besser laufen könnte, wenn denn die Etablierten, allen voran Höwedes und Huntelaar, auch mal ihre Leistung abrufen würden. Auch in der Anfangsphase der Saison war das nicht so, der Erfolg wurde (und wird) von den jungen, ja jüngsten Spielern getragen. Das ist die momentan größte Herausforderung für Breitenreiter: die gestandenen Profis aus ihrem Tief herausholen, ihre Form stabilisieren und sie in diese tolle, junge, begeisterungsfähige Mannschaft integrieren. Gelingt ihm das, ist die Champions-League-Qualifikation kein unrealistisches Ziel mehr.

Don’t call it Krise

Erst in Mönchengladbach verloren, dann zuhause aus dem Pokal geflogen. Geis für fünf Spiele gesperrt, dazu das Theater um Heldt. Die nächsten Gegner in der Liga: Ingolstadt, Dortmund, Bayern, Leverkusen. Es könnte besser laufen. Aber wer trägt eigentlich die Schuld?

Das Chaos um den vermeintlichen Heldt-Abgang schadet der Mannschaft ungemein, konzentriertes Arbeiten ist momentan kaum möglich. Wer das Gegenteil behauptet, sei auf den Einbruch der Form nach Bekanntwerden der Posse hingewiesen. Schlimmer noch, dass das Debakel unnötig in die Länge gezogen wird, denn alle wissen, dass Heldt gehen muss, auch er selbst. Schlimmer könnte es nur noch kommen, wenn er am Ende bleiben sollte.

Dann ist da die Sache mit der Rotation. Breitenreiter ist freilich ein noch junger Trainer. Beim Rotieren hat er jegliches Augenmaß verloren, weil die äußeren Umstände – Verletzungen und  Sperren – ohnehin schon zu vielen Umstellungen zwingen. Unverständlich, warum er zusätzlich noch mehr Spieler austauscht. Dem Spiel tut das nicht gut, das ist offensichtlich.

In der Krise befinden sich zweifelsohne die Stürmer. Di Santo ist noch nicht angekommen, harmoniert kein Stück mit Huntelaar. Der wiederum trifft das Tor nicht mehr. Von ihm muss man mehr erwarten, er gehört zu den erfahrensten Spielern im Kader und außerdem zu den Topverdienern. Seine Körpersprache spricht oft Bände, aber keine guten. Er wirkt lustlos,  geradezu überfordert mit dem modernen Fußball. Zudem spielt er nicht mannschaftsdienlich. Choupo läuft immer noch seiner Form aus dem letzten Jahr hinterher.

Geis’ Sperre hat das Team weiter geschwächt. Warum hat er sich zu dieser Aktion hinreißen lassen? Als Treter ist er nicht bekannt. Wahrscheinlich war es mangelnde Konzentration. Womit wir wieder bei Tönnies wären: Durch das ganze Hin-und-Her verunsichert und ermüdet er ganze Team. Wie soll man als Spieler mit einem Sportdirektor umgehen, wenn nicht einmal klar ist, ob er nächste Woche noch im Amt ist? Vertragsverhandlungen werden schwierig, denn kein Spieler weiß, ob er beim neuen Manager nicht vielleicht einen besseren Deal aushandeln kann.

Das Theater, das Teewurst-Tönnies eigenmächtig losgetreten hat, muss schleunigst vom Tisch. Wenn es gegen Ingolstadt keinen Sieg gibt, braucht man bei den drei folgenden Spielen gar nicht erst anzutreten. Der November wird richtungsweisend, aber der Verein kann schon mehr machen als dasitzen und beten. Gut möglich, dass Ende des Jahres mal wieder richtig der (Tannen-)Baum brennt.