Ein Motivationsproblem – seit Jahren

Am letzten Wochenende hat Schalke eine überraschend couragierte Leistung gegen den FC Bayern gezeigt und immerhin einen Punkt entführt. Damit hatte nach den Vorstellungen gegen Ingolstadt und Frankfurt wohl kaum jemand gerechnet.

Doch der gute Auftritt steht in einer Reihe respektabler Leistungen der letzten Jahre, die Schalke gegen große Namen erzielen konnte. Gerne erinnern wir uns an die Champions League Saison 15/16, als man in der Gruppenphase einen Punkt gegen Chelsea mitnehmen konnte und im Achtelfinale sehr unglücklich nach einem 4:3 Sieg gegen Real Madrid rausflog. Gemessen an den sportlich wie wirtschaftlich Unterschieden wurden auch immer wieder gute Ergebnisse oder zumindest Vorstellungen gegen Dortmund abgeliefert.

Allerdings folgen auf derartige Glanzstunden gerne auch Grottenkicks gegen Mannschaften aus dem Mittelfeld (zu denen man den FC Schalke auch schon zählen muss) oder Tabellenkeller. Mit der Favoritenrolle kommt Schalke nicht zurecht. Das macht deutlich, dass der Verein und die Spieler, die ihn vertreten, seit etlichen Jahren ein Motivationsproblem haben, was durch mangelnde Konstanz verstärkt wird. Ganz besonders schlecht sah es meistens gegen die vermeintlichen Überraschungsteams der Saison aus.

Diese Eigenschaft muss man leider als Charakterschwäche des Teams auslegen. Es drängt sich der Eindruck auf, dass der Star-Status vieler junger Spiele eine gewisse Sättigung mit sich bringt. Gegen die großen Namen gibt man gerne alles, schließlich kann man durch solche Spiele auf sich aufmerksam machen und den eigenen Marktwert in die Höhe treiben. Doch das „Tagesgeschäft“ heißt Ingolstadt, Darmstadt und Augsburg.

Das böse Wort der „Bonusspiele“ kann man jetzt wieder hervorkramen. Eine äußerst unglückliche Äußerung, die Breitenreiter damals getätigt hat, doch im Kern hatte er recht. Ein Punkt gegen Bayern bringt rein gar nichts, wenn man gegen die direkten Konkurrenten verliert. Das sind die Spiele, die gewonnen werden müssen, die sogenannten Sechs-Punkte-Spiele. Solch ein Spiel war das Heimspiel gegen Frankfurt.

Ein Punkt nimmt man aus München gerne mit, aber wenn man das Spiel davor und danach verliert, ist er wertlos. Am Wochenende empfängt man Hertha BSC in der heimischen Arena. Das nächste Sechs-Punkte-Spiel. Ohne einen Sieg kann man die letzten Hoffnungen auf eine Qualifikation zur Europa League begraben.