Der Formeinbruch der Gestandenen

Wir Schalker haben schon hohe Ansprüche, das ist nicht zu leugnen. Auf der Haben-Seite steht Platz vier mit einem Punkt Abstand zum Dritten. Auf der anderen Seite fällt die schlechte Form der vergangenen Wochen auf. Zwei Unentschieden in den Heimspielen gegen Prag und Ingolstadt – zwei Mannschaften, die nominell schwächer besetzt sind und geschlagen werden können. Dazu die beiden Niederlagen gegen Mönchengladbach. Noch schlimmer: Die nächsten Gegner heißen Dortmund, Bayern und Leverkusen. Zwei Niederlagen gegen Dortmund Bayern sind fast schon vorprogrammiert, nach den drei Spielen kann man sich schnell auf Platz zehn wiederfinden.

Der Saisonstart war geglückt, daran bestehen keine Zweifel. Und auch die Art und Weise, wie Fußball gespielt wurde, begeisterte. Davon ist momentan nicht viel zu sehen. In meinem letzten Beitrag bin ich auf einige Gründe eingegangen. Was mich aber am meisten schockiert, ist die Tatsache, dass gerade die sehr erfahrenen und gestandenen Profis keine Leistung bringen.

In der Abwehr geht es los. Matip ist dort die einzige Konstante. Aogo mit Licht und Schatten, defensiv wirkte er in den letzten Spielen nicht sehr engagiert. Und dann: Höwedes! Kapitän, Weltmeister, erfahrener Profi, Schalker mit Herz. Seine Leistung stimmt jedoch nicht. Er war lange verletzt, das darf man nicht außer Acht lassen. Aber wenn er nicht richtig fit ist, darf er nicht spielen. Er ist ein toller Mensch, ruhig, findet nach den Spielen die richtigen Worte. Aber ein Kapitän muss nicht nur abseits, sondern vor allem auf dem Platz mit gutem Beispiel voran gehen. Das Duo Matip-Neustädter harmonierte besser zusammen.

Die größten Probleme liegen momentan im Sturm. Huntelaar und Di Santo treffen das Tor einfach nicht, stehen sich mehr im Weg als dass sie voneinander profitieren. Der eine ist 32, der andere 26, beide sind erfolgreiche Bundesliga-Torjäger. Und gerade Huntelaar verfügt über eine riesige Erfahrung, spielte bei Real Madrid und dem AC Mailand, schoss 45 Tore in 75 Länderspielen, eine tolle Quote. So richtig lief es für ihn, als Raul hinter ihm spielte, aber diese Zeiten sind lange vorbei. Es wirkt oft über seinem Zenit, nicht mangels Klasse, sondern vielmehr, weil er keinen Platz im modernen Fußball mehr hat. Er ist der klassische Mittelstürmer des letzten Jahrzehnts, groß, kopfballstark, aber eben auch behäbig wirkend, ohne Dynamik. Sein Vertrag läuft noch bis 2017 bei einem geschätzten Jahresgehalt von 7 Millionen Euro. 2017 wäre er 34.

Spiegelbildlich dazu die „jungen Wilden“. Bester Torschütze? Sané! Dirigent im Mittelfeld? Goretzka! Abwehrchef? Matip! Toll zu sehen, was sie für einen Fußball zeigen, völlig unbeeindruckt von allem, was momentan so auf Schalke los ist. Vor allem Sané begeistertet ohne Ende, gegen Ingolstadt zeigte er auch defensiv gute Aktionen. Alle drei Genannten sind Eigengewächse, das lässt die Brust vor Stolz noch weiter anschwellen.

Leider bleibt das vage Gefühl, dass es besser laufen könnte, wenn denn die Etablierten, allen voran Höwedes und Huntelaar, auch mal ihre Leistung abrufen würden. Auch in der Anfangsphase der Saison war das nicht so, der Erfolg wurde (und wird) von den jungen, ja jüngsten Spielern getragen. Das ist die momentan größte Herausforderung für Breitenreiter: die gestandenen Profis aus ihrem Tief herausholen, ihre Form stabilisieren und sie in diese tolle, junge, begeisterungsfähige Mannschaft integrieren. Gelingt ihm das, ist die Champions-League-Qualifikation kein unrealistisches Ziel mehr.

2 Gedanken zu “Der Formeinbruch der Gestandenen

  1. Sehe ich ganz genauso! Vielleicht gäbe es Schlechteres als die nächsten beiden Spiele gezwungenermaßen Höwedes durch Neustädter zu ersetzen. Manchmal kommen kleinere Verletzungen auch ganz gelegen.
    Nur wie bekommt man die Stürmer dazu wieder zu treffen? Ist es einfach nur der viel zitierte Knoten, der bald einmal platzen müsste oder steckt doch mehr dahinter?
    Letztlich wird Breitenreiter daran weiter akkribisch arbeiten – und wir sollten ihn in Ruhe arbeiten lassen. Auch wenn dies mit Aussicht auf die Bundesliga-Partien im November alles andere als einfach sein wird…

    Gefällt 1 Person

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